VAÖ Uni Salzburg

Seit 1922 gibt es mittlerweile den Verband der Akademikerinnen Österreichs, kurz VAÖ. Er ist in Österreich die größte Vereinigung akademisch gebildeter Frauen, agiert generationenübergreifend, überparteilich, gemeinnützig und interkulturell. Wie der VAÖ entstanden ist, welche Ziele der Verband verfolgt und wie man Mitglied werden kann, das erfahrt ihr jetzt. Du bist Masterstudentin und hast ein Kind? Dann ist dieser Artikel besonders interessant für dich, denn du könntest durch den VAÖ ein Stipendium bekommen.

Die Mitglieder des VAÖ kommen aus allen Bereichen der Wissenschaft, Wirtschaft, Medizin, Kunst, Verwaltung und Medien. Wir haben Frau Dr.in Elba Frank, Vorsitzende des VAÖ Salzburg und Leiterin des ÖH Beratungszentrums Uni Salzburg, ein paar Fragen zum Verband der Akademikerinnen Österreichs und zu den aktuellen Stipendien gestellt.

Seit wann gibt es den VAÖ? Warum wurde er gegründet und was sind seine Ziele?

„Um einen Einblick in die Geschichte des VAÖ zu geben, möchte ich mich gerne auf Professorin Scheuringer beziehen. Sie hat im Herbst 2019 für einen Vortrag an der Paris Lodron Universität Salzburg die Gründungsgeschichte des Verbandes aufgearbeitet und daraus gebe ich nun einige wichtige Eckpunkte wieder.
Der Verband der Akademikerinnen Österreichs wurde 1922 von der Wiener Romanistin Elise Richter gegründet. Dies geschah auf Einladung der IFUW International Federation of University Women, die bereits 1919 von US-amerikanischen und britischen Universitätsprofessorinnen in London gegründet wurde.

Der VAÖ nach dem 1. Weltkrieg

Nach dem 1. Weltkrieg waren die Ziele des IFUW auf die Gestaltung einer friedlichen und solidarischen Weltgemeinschaft ausgerichtet. Frauen sollten durch Wissen und Bildung auf dieses Ziel hinwirken. Dies konnte nur erreicht werden, indem weltweit der Zugang zu Hochschulen und zur Wissenschaft gefördert wurde. Der Druck auf die Politik sollte durch Knüpfung transnationaler Netzwerke und durch persönliche Freundschaften zwischen Akademikerinnen erhöht werden. Der Austausch studierender, lehrender und forschender Frauen sollte gefördert und ihr Fortkommen in der Wissenschaft unterstützt werden. Manche der damaligen Forderungen klingen im Sinne der Gendergerechtigkeit sehr modern, wie etwa gleicher Lohn für gleiche Arbeit an den Universitäten, gleiche Zugangs- und Aufstiegschancen für Frauen in der Wissenschaft und das Recht auf Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

1938 wurde der Österreichische Verband als Zweig einer internationalen Föderation aufgelöst. Elise Richter verlor aufgrund ihrer jüdischen Herkunft ihre Lehrtätigkeit an der Uni Wien und ihre Arbeit an der Akademie der Wissenschaften. Sie starb im Konzentrationslager Theresienstadt im Alter von 78 Jahren.

Tipp: Du bist Masterstudentin an der PLUS und hast ein oder mehrere Kinder? Dann bewirb dich für das Stipendium der VAÖ, in der Höhe von 500 EUR. HIER KOMMST DU DIREKT ZUM ANTRAG! Möglich noch bis 30. Juni 2021.

Der VAÖ nach dem 2. Weltkrieg

Nach dem zweiten Weltkrieg kam es 1948 unter der Führung der zwei Universitätsprofessorinnen Dr. Bertha Karlik, Vorstand des Instituts für Radiumforschung und Kernphysik in Wien, und Dr. Erica Cremer, Vorstand des Physikalisch-Chemischen Instituts in Innsbruck, zur Wiedererrichtung des Verbandes in Österreich. Er gehörte wieder zum weltweiten Verband des IFUW. 2015 wurde dieser wegen der Ausweitung tertiärer Bildungsangebote, z.B. der Fachhochschulen, umbenannt in GWI –Graduate Women International. Der Landesverband Salzburg wurde 1952 gegründet.

Internationale Vernetzung der VAÖ

Der Verband der Akademikerinnen Österreichs, und damit auch der Landesverband Salzburg, ist international vernetzt. Er hat in wichtigen internationalen Gremien Beobachterstatus, also ein Teilnahme- und Rederecht. Die Landesverbände können Vertreterinnen dorthin nominieren. Zu den Eckpunkten der Vernetzung zählen:

  • GWI Graduate Women International, Sitz in Genf. GWI hat Beobachterstatus bei der UNO und zwar: bei der UNESCO, der Organisation der UNO für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Paris, bei der ECOSOC (Organisation für Wirtschafts- und Sozialrecht) in New York, bei der ILO (Internationale Arbeitsorganisation) in Genf, bei der Commission on Crime Prevention and Criminal Justice und Commission on Narcotic Drugs in Wien.
  • UWE (University Women of Europe), 1981 in Luxemburg gegründet, Österreich Gründungsmitglied, heute eine selbständige Organisation mit 18 Mitgliedsländern, UWE hat Beobachterstatus beim Europarat in Straßburg und ist daher informiert über Beschlüsse in den Gremien und berechtigt Argumente vorzubringen. Der VAÖ ist über UWE Mitglied der European Women‘s Lobby, die EWL hat Beobachterstatus im Ausschuss für Chancengleichheit bei der Europäischen Kommission.

Die Ziele der VAÖ

Der VAÖ Landesverband Salzburg hat folgende Vereinsziele: Er bezweckt den Zusammenschluss der Akademikerinnen des Bundeslandes Salzburg – unabhängig von ihrer religiösen, parteipolitischen oder ethnischen Zugehörigkeit – zur Förderung, Pflege und Vertretung ihrer gemeinsamen geistigen, kulturellen, beruflichen und wirtschaftlichen Interessen im In- und Ausland. Er hat sich für die Rechte der Frauen einzusetzen. Ziel ist es, dadurch einen Beitrag zur Förderung der Chancengleichheit in der Gesellschaft zu leisten.
Die Verbandsstatuten sehen folgende Maßnahmen zur Erreichung der Vereinsziele vor:

  • Vernetzung der Akademikerinnen im Landesverband und aktive Präsenz des Verbandes in der Öffentlichkeit
  • Vorträge, Fortbildungs- und Diskussionsveranstaltungen
  • Unterstützung der wissenschaftlichen und beruflichen Arbeit der Akademikerinnen sowie Förderung von Studentinnen
  • gesellige Zusammenkünfte sowie Veranstaltungen
  • Herausgabe von Publikationen
  • Projekte

Wie geht es dem Verein der Akademikerinnen aktuell, was ist für die Zukunft geplant?

„Der Verband der Akademikerinnen Österreichs braucht dringend neue Mitstreiterinnen. 1980 hatte er rund 800 Mitglieder österreichweit, derzeit sind es rund 350. Die Landesgruppe Salzburg hatte im Jahr 2019 einen Tiefststand von 16 Mitgliedern. Das lag bzw. liegt daran, dass der Verband öffentlich so gut wie nicht sichtbar war bzw. immer noch ist.

Ein jüngeres Team ist seit zwei Jahren bemüht, Akzente zu setzen, Projekt-Kooperationen mit anderen (Frauen-)Verbänden zu suchen und den VAÖ Salzburg aus seinem Dornröschenschlaf zu wecken. Die Covid-19-Pandemie war dabei nicht hilfreich. Eine der Maßnahmen unseres Katalogs ist die Studienunterstützung für studierende Mütter mit Kind. Laut Statuten darf der Verband nur Frauen fördern.“

Wer kann Mitglied werden und wie?

„Mitglied zu werden ist ganz einfach: Das Beitrittsformular findet sich auf der Homepage. Der Jahresmitgliedsbeitrag für Akademikerinnen beträgt 39 Euro jährlich, die studentische Mitgliedschaft ist kostenfrei.

Voraussetzung für den Erwerb der ordentlichen Mitgliedschaft ist ein abgeschlossenes Universitäts- oder Hochschulstudium oder ein Abschluss einer vergleichbaren Bildungseinrichtung. Auch Frauen, die einen Beruf ausüben, welcher einem akademischen Beruf gleichzuhalten ist, können ordentliche Mitglieder werden.

Voraussetzung für den Erwerb der studentischen Mitgliedschaft ist die aufrechte Einschreibung an einer Hochschule oder Universität oder vergleichbaren Bildungseinrichtung (bis zum Abschluss des ersten akademischen Grades).“

Aktuell und noch bis 30. Juni 2021 können sich Master-Studentinnen für ein Stipendium in der Höhe von 500 Euro als Einmalzahlung bewerben. Seit wann gibt es diese Stipendien für Master-Studentinnen mit Kind und warum wurden sie ins Leben gerufen?

„Das Stipendium des Landesverbandes Salzburg für studierende Mütter mit Kind gibt es seit 2020 als Reaktion auf die Maßnahmen wegen der Corona-Pandemie. Studierende Mütter sind aufgrund der Betreuungspflichten besonders von den Schließungen aufgrund der Pandemie betroffen. Generell waren Studierenden-Jobs die ersten, die es nicht mehr gab. Zudem geht es hier um geringfügige Jobs, nach deren Beendigung auch keine Arbeitslosenversicherung oder sonstige soziale Absicherung bezogen werden kann.

Mit den Lockdowns und den Schließungen der Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen hat sich wieder ein sehr traditionelles Frauenbild eingeschlichen und droht sich zu etablieren. Homeoffice oder Distanzlehre geht zu Lasten der Frauen, speziell der Frauen mit Kind/ern, die parallel zu Arbeit und/oder Studium Betreuungspflichten haben, die sie organisieren müssen. Mit unserer Studienunterstützung möchten wir einen Beitrag leisten, diese Problematik auch sichtbar zu machen.“

Du willst dich für das einmalige Stipendium in der Höhe von 500 EUR bewerben? Hier kommst du direkt zum Antrag!

Euer commUNIty Team

Photo-Credit:
ÖH Beratungszentrum

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