Studentenheim: Frieda im Bärlauchfeld

Hallo und willkommen zurück zum zweiten Teil von „Gschichten aus’m Studentenheim“. Heute erzähle ich euch von meinem Einzug im Februar und den ersten Wochen hier in meinem neuen Zuhause. Außerdem erfährt ihr, warum Biologiestudent Chiron am liebsten mit Vogelspinnen schlafen geht.

Die Rotwein-Liebe hat wieder zugeschlagen

Ich habe also entschieden, meine Zwei-Zimmer-Wohnung in Salzburg aufzugeben, um ein paar Kilometer weiter in ein Studentenheim zu ziehen. Wie das wahrscheinlich die meisten von euch kennen, helfen einem dabei gerne die Eltern. Also bringt mich mein Papa nach Salzburg und nachdem ich ihm meine Freund*innen vorgestellt und das Zimmer bezogen habe, verabschiede ich mich von ihm. Ich sage „Tschüss“ und ehe er weg ist, schießen mir die Gedanken durch den Kopf wie: „Warum zum Teufel ziehe ich von einer ruhigen, gemütlichen Wohnung in einer wirklich sehr zentralen Lage in ein altes, hellhöriges Studentenheim?“

Genau so sehr wie ich mich bereits darauf gefreut habe, endlich hier zu wohnen, so sehr heißen mich meine neuen „Mitbewohner*innen“ willkommen. Und dann fällt‘s mir wieder ein, warum ich hier bin: Ich freue mich auf die nächsten Monate mit den Menschen, mit denen es garantiert nie langweilig wird! Ich beginne, gemeinsam mit Chiron, Alina und Georg, mein Zimmer einzurichten. Währenddessen packt uns wieder die Rotwein-Liebe. Ein Feuermelder ist nicht vorhanden und daher wird das Zimmer auch prompt zum Raucherbereich. Den Luxus eines Balkons habe ich leider nicht, aber dafür bietet das angrenzende Dach eine coole Möglichkeit, es in eine Terrasse umzufunktionieren. Es sei zwar verboten hinauszusteigen, doch warum nicht dennoch eine Sitzgarnitur hinstellen. Frei nach dem Motto: Who cares?

Der Rotwein fließt und fließt und ehe wir uns versehen, sind die Flaschen leer, genauso wie ich. Die Zeiger meiner imaginären Uhr deuten an, dass es gerade einmal 17 Uhr ist. Ups… Ich bin tatsächlich bereit für einen Powernap und damit geht auch schon der erste Tag im Heim zu Ende.

Zuerst Berchtesgaden und dann Dublin

Es sind Semesterferien und dieser Umstand bietet bekanntlich sehr viel Zeit für Studierende. Da einige meiner Freund*innen in Salzburg arbeiten, oder sich generell schon mehr in dieser schönen Stadt zu Hause fühlen, als irgendwo anders, ist auch in den Ferien immer jemand da. Und was machen junge Leute, wenn sie reichlich freie Zeit haben und das Leben wieder nach Gin-Tonic schmeckt?

Wir nutzen die Zeit für Ausflüge. Mit dem Auto geht es zum Königssee im Berchtesgadener Land, der übrigens sehr zu empfehlen ist (und nicht nur, weil gleich daneben ein MCi ist). Ein Wahnsinns-Ausblick breitet sich vor uns aus, aber seht selbst.

Gschichten aus'm Studentenheim: Königssee

Auf einer Sitzbank nehmen wir Platz und genießen diese atemberaubende Aussicht. Nur leider ist es noch ziemlich kühl – es ist ja auch erst Februar. Tom (den kennt ihr übrigens noch nicht) erzählt uns, dass er uns für ein paar Monate verlassen wird, um im Herbst für ein Auslandssemester nach Irland zu gehen. Einheitlich beschließen wir, dass wir ihn natürlich besuchen werden. Das Land, das für Pubs, Guinness und den St. Patrick’s Day bekannt ist, wird also demnächst von ein paar österreichischen Student*innen unsicher gemacht.

Wir sind viele Menschen mit den unterschiedlichsten Interessen und Hobbies. Hat man ein Problem, dann gibt es mindestens eine Person, die einem dabei weiterhelfen kann. Es bedeutet aber auch, dass man selbst oft einen guten Ratschlag weitergibt. Es kann einem viele Türen öffnen und dadurch, dass man auch andere Sichtweisen zu bestimmten Dingen im Leben hört, bleibt man stets neugierig und offen. So soll’s doch sein, dass man gegenseitig voneinander lernt. Wenn auch nicht immer 100 Prozent lehrreiches, dafür aber viel unnützes Wissen (von welchem man dann bei der nächsten Runde Quizduell Gebrauch machen kann).

Von Spinnen und anderen Haustieren

Einer dieser Menschen ist Chiron. Den habe ich ja bereits erwähnt, doch ihr müsst unbedingt eines über ihn wissen: Ich kenne keinen zweiten, der mit solch einer Leidenschaft seinem Studium nachgeht. Achja und wehe eine Pflanze in deinem Zimmer lässt den Kopf hängen, Chiron ist zur Stelle und schaut, was dem Pflänzchen fehlt. Oder geh mit ihm spazieren und du bekommst einen Auffrischungskurs in Puncto „Bäume, deren Blätter und Früchte“.

Letztens hat er einer Hummel das Leben gerettet, indem er dem Tier Honig als Stärkung gegeben hatte, um es anschließend auf einer seiner zahlreichen Blumen auf seinem Balkon zu setzen. „Fühl dich wie zuhause“, höre ich ihn noch mit dem Pummelchen reden. Chirons Zimmer ähnelt einem Dschungel. Inmitten von kleinen Palmen und Orchideen hat er auch ein paar Haustierchen: Spinnen, Geckos, Garnelen und der ein oder andere Fisch im Glas. Bis auf die Fische sind das für mich mehr ekelerregende Geschöpfe, als etwas das ich als Haustier bezeichnen würde. Nicht zu Letzt deshalb, weil es einmal diesen einen Vorfall gab…

Wenn die Vogelspinne abhaut…

Natürlich denkt man, dass ein Tier normalerweise nicht aus seinem Käfig rauskommen kann, weil es eben ein Käfig ist und das der Sinn der Sache ist. Doch insgeheim hat man Zweifel, ja wenn nicht sogar Angst, dass es für die Spinne nicht doch irgendwie möglich ist, aus dem Terrarium rauszukommen. Um seine Friends zu beruhigen, versichert Chiron jedem und jeder, dass die Tiere keine Chance haben, herauszukriechen. Nur leider hat es seine Acanthoscurria Geniculata – eine brasilianische Weißknievogelspinne – dennoch geschafft, aus dem Glaskasten zu verschwinden. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass sich ein Loch im Terrarium – das eigentlich ein Aquarium ist – befand, wodurch die Spinne Freiheit erlangte. Mittlerweile ist sie wieder dort, wo sie sein soll und das Loch hat Chiron auch zugemacht. Das Ding an der Geschichte ist, dass sich Sofia einige Tage zuvor in sein Zimmer zum Schlafen gelegt hatte, da ihre Geschwister in ihrem Zimmer schliefen und Chiron nicht da war. Na, Prost Mahlzeit – das ging ja noch mal gut aus.

Bärlauchpflücken mit dem Pflanzenflüsterer

Der Monat März ist also quasi das Schlaraffenland von Biologiestudent Chiron. Deshalb gehen wir zusammen Bärlauch pflücken. Nachdem wir einen Sack voll mit Bärlauch – auch Waldknoblauch genannt – gesammelt haben, machen wir uns wieder auf den Weg zurück ins Studentenheim. Wir haben Hunger! Gemeinsam zaubern wir uns damit unser Mittagessen. Es gibt: Gefüllte Wraps mit Gurken und Tomaten. Dazu geben wir ein paar von den frischen Bärlauch-Blättern. Außerdem kreieren wir eine Knoblauch-Bärlauch-Sauce. Seid froh, dass wir an diesem Tag nicht das Haus verlassen haben, denn ihr hättet uns – mit unserer Fahne – wahrscheinlich zwei Kilometer gegen den Wind erkannt.

Im Nu haben wir eine gesunde und echt leckere Mahlzeit gekocht, die wir auf Chirons Balkon im Studentenheim genießen. Der Frühling hält in Salzburg bereits Einzug und ohne Jacke lässt es sich schon gut aushalten. Die Sonne scheint und auch die Vögel scheinen schon aus dem Süden zurück zu sein. Richtig schön!

Der Ernst des Lebens kommt früh genug

Es wird langsam dämmrig und so geht der Tag zu Ende. Gemeinsam mit Sofia, Ida, Chiron und Alina sitzen wir abends in einem unserer Zimmer und quatschen. Dabei wird uns so einiges bewusst. Wir werden nostalgisch und denken an unsere Kindheit. Wie frei wir doch damals waren und wie wir es heute eigentlich noch immer sind. Für uns alle beginnt bald der „Ernst des Lebens“, spätestens, wenn wir unser Studium abschließen und zu arbeiten beginnen. Dieses Leben kommt schnell genug auf uns zu und somit ein sich ständig wiederholender Alltag.

Wir schwelgen in Erinnerung und denken an die lustigen Kindergeburtstage, auf denen wir früher Gelassenheit und Freude in vollen Zügen und in hoher Dosis genießen konnten. Der Wunsch wird immer größer, alte Kinderspiele wieder zum Leben zu erwecken. Wir überlegen das Mehl auszupacken. Nein, nicht um damit anderen weiß zu machen, dass es eine illegale Droge sei. Wir überlegen „Mehl zu schneiden“ – der Klassiker unter den Kindergeburtstagsspielen, nicht? Schließlich machen wir es doch nicht, denn keiner will die Sauerei dann wegputzen.

In guten wie in schlechten Zeiten

Wie es gute Zeiten gibt, gibt es auch diese Tage im Semester, an denen man nicht so recht weiß wohin. Egal, ob einem der Uni-Stress zu viel wird oder auf Tinder keine „leiwanden“ Matches zustande kommen. Welche Probleme, Zweifel oder Sorgen auch immer – gemeinsam finden wir meist immer eine Lösung. Gute Gespräche und das ein oder andere Weinglas – im Studentenheim fühlt man sich nicht alleine. Und wenn doch, dann geht man eine Zimmertür weiter. Bis am Ende alles wieder gut ist.

Wer den ersten Teil von meinen Gschichten aus’m Studentenheim noch nicht gelesen hat, der sollte das schleunigst nachholen! Es ging um Gin Tonic, dem Leben und einfach um die nackten Wahrheit.

Eure Frieda,

*alle Namen von der Redaktion geändert

Bilder: Redakteurin

 

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