Studentenheim

Zehn Uhr morgens, die Sonne scheint, die Sonnenbrille sitzt und das Glas ist voll. Irgendwo im Süden Salzburgs sitzen wir, die Student*innen – die künftige Elite Österreichs, wie man sagen hört – auf dem Balkon eines Studentenheims. Kennt ihr das? Ihr seid von guten Menschen umgeben, ihr spürt die warmen Sonnenstrahlen im Gesicht und so mancher Spritzer bahnt sich den Weg durch eure Blutbahn.

Vom Leben und Gin Tonic

Es war eine lange Nacht und der Morgen wird, wie es aussieht, noch etwas länger. Alle, das sind Sofia, Caro, Chiron, Ida, Alina, Georg und ich, tragen Sonnenbrille, denn die Augen sind noch etwas empfindlich, schließlich haben wir unsere Tanzbeine die ganze Nacht im Soda, zwischendrin in der Sega Imberg (denn und ich zitiere: „Da ist der Alkohol so billig.“), geschwungen. Hin und wieder will doch jede*r über die Stränge schlagen, oder? Naja, ich will das Studentenleben in vollen Zügen auskosten. Ich will wissen, wie das Leben schmeckt und ich finde, am besten lässt es sich mit einem mit Gurken und Pfeffer angerichteten Gin Tonic vergleichen.

Stellt euch vor: Der Gin und das Tonic-Water sind die geilen Leute um euch, die Anfangsphase einer neuen Liebe, oder ein Schub auf der Karriereleiter durch ein Jobangebot. Quasi die Essenz des Lebens und genau das, was das Leben so lebenswert macht. Die Gurken sollen die Pflichten repräsentieren. Die hat jede*r und wir alle versuchen ihnen pflichtbewusst aus dem Weg zu gehen. Doch früher oder später holen sie uns alle ein und stecken dann im Strohhalm fest, weil wir zuvor zu viel daran rumgestochert haben. Der Pfeffer ist die Uni. Pfeffer muss nicht unbedingt sein und nicht umsonst sagt das Sprichwort „Geh hin, wo der Pfeffer wächst“. Aber sind wir uns ehrlich: Alles in allem schmeckt’s dann doch richtig geil. Und ein bisschen Verantwortung sollten wir in unseren 20er doch auch tragen.

Wer braucht schon einen Grund zu feiern?

Auch an diesem Sonntagmorgen koste ich am süß-bitter schmeckenden Gin Tonic des Lebens. Mmmhm, lecker! Ins Bett gekommen ist noch keine*r. Ja ok, vielleicht der eine oder die andere Medizin-Student*in, aber die haben ja auch wirklich immer was zu lernen. Es soll ja Leute geben, die einen Grund brauchen, um feiern zu gehen. Dieses Bedürfnis herrscht in unseren Kreisen nicht wirklich. Aber tatsächlich gab es letzte Nacht allen Grund zu feiern, denn um kurz vor Mitternacht und bereits in Karaoke-Mood, erhielten wir die Ergebnisse der Statistik-Prüfung. Wir erfuhren, dass wir alle bestanden haben. Danke, Frau Professor. Naja, wenn das kein Grund ist … obwohl ehrlich gesagt, hätten wir uns auch ohne dieses Anlasses aus dem Leben geschossen. Manchmal reicht es schon zu wissen, dass die Prüfung vorbei ist. Und ehe das Gelernte in das Langzeitgedächtnis über geht, löschen wir lieber die Festplatte, um Platz für Neues zu schaffen.

Aber zurück zur Balkonszene. Während Georg Frühstück in Form von Bier zu sich nimmt, stellt Caro gerade fest, dass sie ihre Bierflasche auf ihren „Bierbauch“ abstellen kann. Es gibt auch ein Foto davon, das ziemlich lustig ist. Schade, dass ihr es nicht sehen könnt. Generell herrschen in unserem Heim ziemlich viel Liebe und Rotwein, denn wir alle haben unsere Vorliebe für das rote Traubengesöff entdeckt.

Es war ein Augenblick wie dieser, den ich damals noch als Gast miterleben durfte, und der zu meinem Entschluss führte: „Ich will unbedingt genau hier wohnen!“ Nach vielen lustigen Abenden im Studentenheim kann ich euch sagen, ich habe hier Freundschaften geschlossen, die ein Leben lang halten können.

Von der ungeschminkten Wahrheit

Ihr müsst euch vorstellen, in einem Heim siehst du nicht nur die guten Seiten einer Person. Nein, im Gegenteil. Du siehst die ungeschminkte Wahrheit – im wahrsten Sinne des Wortes. Du siehst Menschen mit der besten und schlechtesten Laune, krank und gesund, nüchtern und betrunken, motiviert und absolut am Null-Punkt angekommen. Du solltest die „Kochkünste“ deiner Mitbewohner*innen mögen oder zumindest eine robuste Verdauung entwickeln. Keinesfalls sollte dich die Tatsache abschrecken, dass mindestens einmal pro Abend andere deine Toilette benutzen. Du siehst sie gestylt und am nächsten Tag denkst du dir: „Wer ist das?“ Kurz gesagt, du lernst Menschen auswendig (ja manchmal sogar inwendig) kennen und was das wichtigste ist: Du fängst an, von Tag zu Tag mehr an ihnen zu hängen und ehe du dich versiehst, kannst du keine fünf Minuten mehr alleine in deinem Zimmer bleiben, weil dir diese Menschen – mit all ihren Ecken und Kanten – einfach fehlen.

Das alles klingt wie eine romantische Liebesgeschichte, nicht wahr? Aber das ist die nackte Wahrheit. Die nackte Wahrheit der Studentenheime und jetzt wird ausgepackt. Freut euch auf Stories, die wohl jede*r kennt und schon erlebt hat, aber nie wirklich an die Öffentlichkeit geraten. Warum das so ist, das weiß ich nicht, aber ich nehme den Stift zur Hand und bringe unsere Geschichten auf Papier.

Eure Frieda,

*alle Namen von der Redaktion geändert

Bild: Redakteurin

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