Paris Lodron

Paris London Universität? Das klingt ja international!“
„Nein, nein. Nicht London. Lodron.“
„Ach so, und was bedeutet das?“
„Hmm… Gute Frage.“

Vielleicht kommt euch das auch bekannt vor. Denn so oder so ähnlich verliefen einige Gespräche mit Freunden und Familie, als ich mein Studium in Salzburg startete. Um den Lieben in Zukunft eine informativere Antwort zu geben als ein unwissendes Schulterzucken, habe ich mich für euch durch Geschichtsbücher gewälzt und mich mit dem Leiter des Universitätsarchivs Dr. Christoph Brandhuber unterhalten.

Jetzt wünsche ich euch Spaß bei der kleinen Zeitreise in die Geschichte unserer Uni und die Auflösung, wer dieser Paris Lodron eigentlich war und was er mit der ganzen Sache zu tun hatte.

Die Universität Salzburg: So fing alles an…

Wir befinden uns am Anfang des 17. Jahrhunderts in Salzburg, bevor es in der heutigen Mozartstadt eine Universität gab. Das Prinzip Schule und Uni war damals etwas anders, als wir es heute kennen: Zuerst musste eine Stadt ein Gymnasium besitzen, welches dann mit Absegnung von Kaiser und Papst in eine Gemeinschaft aus Gymnasium und Hochschule, eine sog. universitas magistrorum et scolarium (dt.: Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden) erweitert werden konnte. Doch das war in Salzburg gar nicht so einfach. Die Lehrkräfte kamen für gewöhnlich aus dem Jesuitenorden, welcher in Salzburg nicht angesiedelt war.

Der damalige Erzbischof Marcus Sitticus von Hohenems hatte trotz gescheiterter Versuche seiner Vorgänger die Ambition, in Salzburg ein Gymnasium zu bauen. Daher begab er sich auf eine Werbereise für Lehrkräfte. Diese war glücklicherweise erfolgreich und er konnte 70 Klöster aus Süddeutschland, Österreich und Südtirol für das Projekt gewinnen. Und so wurde 1618 der Grundstein für das Gymnasium gelegt – dort wo heute unsere Hauptbibliothek steht.

Jetzt kommt Paris Lodron ins Spiel

Ein Jahr später stirbt Sitticus und das Amt des Erzbischofs von Salzburg geht an – Achtung – Paris Graf von Lodron. Er wurde als Sohn von Nikolaus Graf von Lodron und Dorothea von Welsperg adelig geboren und besuchte Schulen in Italien und Deutschland. Danach strebte er eine geistliche Karriere an.

In den Fußstapfen von Sitticus beantragte er die Erweiterung des Gymnasiums. Dies stellte sich allerdings als nicht ganz einfach und sehr teuer heraus. Den Komplikationen bis zur offiziellen Gründung der Universität Salzburg haben wir es zu verdanken, dass wir heute fünf verschiedene Daten als Gründungsjubiläum feiern könnten. Denn 1620 gab der Kaiser seine Zustimmung für ein Studium zum Magister, jedoch nicht für ein Vollstudium. Dieses kam nach vielen Verhandlungen erst 2 Jahre später. 1623 wurde der Plan finanziell abgesichert, das „ja“ vom Papst folgte dann nochmal zwei Jahre später, nämlich 1625. Zum fünften Gründerdatum später mehr.

Das Studium in Salzburg in dieser Zeit war auch noch lange nicht so vielseitig und breitgefächert, wie wir es heute kennen. Zuerst musste das Gymnasium absolviert werden, dann folgte ein einheitliches 2-jähriges Philosophiestudium und danach konnten sich die Studierenden zwischen Theologie oder Rechtswissenschaft entscheiden. An anderen Unis war das Medizinstudium noch eine Option, dafür gab es in Salzburg jedoch nicht genug Studenten.

Die dunkle Seite des Paris Lodron

Doch der Gründer unserer Uni hatte auch seine dunklen Seiten. Bei der Recherche zu seiner Person musste ich feststellen, dass er als cholerisch und auch aggressiv galt. Eine seiner wohl fragwürdigsten Machenschaften ist im Zusammenhang mit dem Stift Nonntal bekannt. Der Erzbischof nutzte die Heimat der Benediktinerinnen als Gefängnis für Frauen, die ihm nicht in den Kram passten – auch gegen den Willen der Stiftsvorsteherinnen. Beispielsweise fiel ihm eine Gräfin und drei ihrer Bediensteten zum Opfer. Verwandte der Gräfin vermuteten eine geplante Machtübernahme seitens des Erzbischofs.

Auch vor seiner Familie machte er nicht halt: Unter den zum Klosterleben gezwungenen Frauen war auch seine verwitwete Schwester Barbara von Liechtenstein. Laut Berichten wurde sie unter Weinen und Klagen ins Kloster verbannt. Drei Wochen Haft wurden von Lodron angekündigt, jedoch wurde daraus lebenslänglich.

Das vorläufige Aus der Uni Salzburg

43 Jahre nachdem Mozart seine erste Oper Apollo et Hyacinthus für die Universität komponierte, erlitt diese einen herben Rückschlag: Zugunsten einer Universität in München wird die Salzburger Benediktineruniversität aufgelöst. Der katholische Universitätsverein setzt alles daran, diese wieder zu errichten. Doch politische Ereignisse wie der Anschluss Österreichs ans Deutsche Reich und die folgende Zeit des Nationalsozialismus erzwingen die Auflösung des Vereins und somit den Kampf um eine Universität in Salzburg.

Nach Ende des Krieges wird dem Gedanken einer Universität in der Mozartstadt Salzburg wieder Gehör geschenkt. Und so wird 1962 das fünfte Mal die Gründung gefeiert. In Erinnerung an den ersten Gründer Paris Lodron erhält sie den Namen Alma mater Paridiana.

Bis heute hat unsere Universität noch einige Veränderungen mitgemacht und beheimatet mittlerweile vier Fakultäten für um die 18.000 Studierenden. Die 10 Gründe, warum studieren in Salzburg toll ist, findet ihr hier.

So, jetzt zum Abschluss noch eine Quiz-Frage an euch: „Warum heißt PLUSonline eigentlich PLUSonline?“´Viel Spaß beim Rätseln (einen kleinen Spickzettel findet ihr hier 😉).

Eure Rebekka

Rebekka

Rebekka ist ein waschechtes bayerisches Madl, das ein Jahr lang in New Hampshire den American Way of Life zu schätzen lernte bevor das Studium sie ins malerische Salzburg lockte. Ein Leben ohne Toleranz und Tierliebe, Radeln und Reisen, Freiheit und Farfalle-Nudeln ist für sie unvorstellbar.

Bild: Redakteurin

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